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Künstliche Intelligenz in der Steuerberatung: Wie KI unseren Beruf verändert und warum das gut für deine Karriere ist

Künstliche Intelligenz (KI) ist längst kein Zukunftsthema mehr – auch nicht in der Steuerberatung. Ob bei der Buchhaltung, in der Kommunikation mit Mandanten oder bei Recherchen im Steuerrecht: KI Tools finden zunehmend Anwendung im Kanzleialltag. Doch was bedeutet das für den Beruf einer Steuerfachangestellten oder eines Steuerberaters – und für alle die ihre Karriere in diesem Feld starten wollen?

 

Wir haben mit Prof. Dr. Maximilian Freyenfeld gesprochen, Professor für Steuerrecht und Digitalisierung an der Technischen Hochschule Augsburg.

Im Interview erklärt er, wie Künstliche Intelligenz in der Steuerberatung bereits heute genutzt wird, welche Kompetenzen künftig gefragt sind und warum der Beruf trotz aller Automatisierung eine sichere Zukunft hat.


Was ist eigentlich KI und wo wird sie heute schon eingesetzt?

Künstliche Intelligenz (kurz KI oder im Englischen AI) beschreibt Softwarelösungen, die menschliche Denkprozesse wie das Erfassen, Bewerten und Ableitungen von Entscheidungen nachahmen. Ein Teilbereich davon ist das sogenannte maschinelle Lernen, bei dem Systeme aus Daten lernen und sich weiterentwickeln.

In der Steuerberatung liegt die Anwendung von KI auf der Hand“, erklärt Prof. Freyenfeld. „Gerade in der Deklaration arbeiten wir mit großen Datenmengen, die strukturiert und geprüft werden müssen. Diese repetitiven Prozesse lassen sich hervorragend automatisieren." Aktuell kommt KI in der Steuerberatung zum Beispiel bei Recherchen, im Marketing oder zur Erstellung von Checklisten und Textentwürfen zum Einsatz. Auch erste KI-gestützte Tools für die Buchhaltung und Mandatsverwaltung sind in der Entwicklung.


Was kann KI in der Steuerberatung schon heute leisten?

Schon heute hilft KI dabei, E-Mails zu formulieren, Recherchen durchzuführen oder einfache Vorschläge zu machen. „Für komplexe steuerliche Fragen reicht die Genauigkeit vieler KI-Modelle aktuell aber noch nicht aus“, so Freyenfeld. Gerade im Steuerrecht ist Präzision entscheidend – hier ist die menschliche Prüfung weiterhin unerlässlich.

Tools wie die DATEV KI-Werkstatt bieten jedoch bereits interessante Möglichkeiten – vor allem für Recherche und interne Unterstützung im Kanzleialltag. In Zukunft könnten sogar digitale Zwillinge von Beraterinnen oder Beratern entstehen, die bestimmte Arbeitsschritte individuell vorbereiten.


Welche Risiken birgt Künstliche Intelligenz?

Die größte Herausforderung beim Einsatz von KI ist der Datenschutz. „Gerade in der Steuerberatung müssen Mandantendaten besonders geschützt werden“, betont Freyenfeld. Viele Tools arbeiten mit Cloudlösungen – hier ist nicht immer transparent, was mit den Daten passiert.

Ein möglicher Weg: lokal installierte, abgeschottete KI-Systeme, die ausschließlich auf internen Daten basieren. „Wer in der Beratung tätig ist, sollte nie ungeprüft sensible Informationen in frei zugängliche KI-Systeme wie ChatGPT eingeben“, so der Experte.

Die Frage 'Welche Risiken birgt Künstliche Intelligenz?' lässt sich also klar beantworten: Sicherheitslücken, fehlerhafte Antworten und mangelnde Nachvollziehbarkeit machen KI derzeit zu einem unterstützenden – aber nicht selbstständigen – Werkzeug.


Wie verändert KI den Arbeitsalltag in der Steuerberatung?

Ich glaube, dass viele Tätigkeiten vorbereitet werden – etwa die Einkommensteuererklärung oder die Buchführung“, sagt Freyenfeld. „Der Mensch wird zur prüfenden Instanz, die Plausibilität und Qualität sicherstellt.

Das bedeutet: Weniger monotone Dateneingabe – mehr Kontrolle, Beratung und Mandantenkontakt. Eine Entwicklung, die nicht nur die Effizienz steigert, sondern auch den Beruf spannender macht.


Welche Skills sind gefragt – und worauf sollten Bewerbende sich einstellen?

Die Anforderungen verändern sich. Man braucht nach wie vor fundiertes Fachwissen – aber ergänzt durch digitales Verständnis.“ Wer künftig im steuerlichen Bereich arbeiten will, sollte bereit sein, sich mit neuen Tools auseinanderzusetzen, zu hinterfragen, ob KI-Antworten korrekt sind – und den Mut haben, Technologien aktiv mitzugestalten.

Nicht das Detailwissen einzelner Urteile wird entscheidend sein, sondern die Fähigkeit, Zusammenhänge zu erkennen, zu recherchieren und auf Plausibilität zu prüfen“, so Freyenfeld.


Wird der Beruf Steuerberater in 20 Jahren noch gebraucht?

Definitiv“, sagt Prof. Freyenfeld. „Die Aufgaben werden sich verändern, aber die Verantwortung bleibt. Der Staat wird auch in 20 Jahren auf Steuern angewiesen sein – und auf Menschen, die bei der Einhaltung komplexer Vorschriften unterstützen.“

Gerade im Bereich Beratung, Hofübergaben oder betriebswirtschaftliche Entscheidungen bleibe der persönliche Kontakt zentral. „Steuerberatung wird digitaler – aber nicht überflüssig.“



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